Warum dein Kollege ruhig bleibt – und du schon unter Strom stehst

Zwei Menschen. Dasselbe Meeting. Dieselbe Agenda. Derselbe Chef.

 

Der eine sitzt entspannt da, trinkt einen Schluck Kaffee, macht zwei Notizen und spricht später ganz sachlich. Du dagegen bist innerlich schon seit Stunden auf Spannung. Puls hoch, Kopf voll, Körper in leichter Alarmbereitschaft. Vielleicht hast du schlecht geschlafen, weil dir schon die Fragen durch den Kopf kreisten: „Hoffentlich blamiere ich mich nicht. Bloß keine kritische Nachfrage. Ich muss heute souverän wirken.“ Kommt dir das bekannt vor? Genau hier zeigt sich, worum es beim Thema Stress wirklich geht: Er entsteht nicht allein durch das, was außen passiert – sondern vor allem durch das, was wir innerlich daraus machen.

 

 

Warum Stress so subjektiv ist

Viele denken bei Stress zuerst an zu viele Termine, hohe Verantwortung oder ständige Erreichbarkeit. Das kann alles Stress auslösen – klar. Aber wenn Stress nur an den äußeren Umständen läge, müssten alle Menschen in derselben Situation ähnlich reagieren. Tun sie aber nicht. Die eine geht ins Meeting und denkt: „Mal schauen, was kommt.“ Die andere denkt: „Ich darf mir keinen Fehler erlauben.“ Äußerlich fast identisch. Innerlich zwei völlig verschiedene Welten. Stress ist ein Zusammenspiel aus drei Dingen: der Situation selbst, deiner körperlichen Reaktion (Puls, Spannung, flaches Atmen) und vor allem deiner inneren Bewertung.

Wie bedrohlich wirkt die Lage auf dich? Was steht für dich auf dem Spiel? Fühlst du dich gewachsen – oder eher überfordert?

Je nachdem, wie diese inneren Fragen ausfallen, wird dieselbe Situation entweder machbar oder existenziell bedrohlich.

 

 

Warum dein Kollege ruhig bleibt – und du nicht

Dein Kollege denkt vielleicht: „Ich bin vorbereitet. Kommt eine schwierige Frage, denke ich kurz nach und antworte Schritt für Schritt.“

Bei dir läuft es eher so: „Ich muss sofort schlagfertig sein. Wenn ich ins Stocken gerate, wirke ich unprofessionell.“

Der Unterschied liegt nicht im Meeting. Er liegt in der inneren Haltung. Dadurch wird die Situation für den einen klein und überschaubar – für den anderen groß und riskant. Ein Meeting ist nie „nur“ ein Meeting. Es kann innerlich als normale Besprechung, als Prüfung, als Bühne, als Risiko oder als Bewährungsprobe erlebt werden. Und genau diese Bedeutung entscheidet, ob dein Nervensystem in den Alarmmodus schaltet.

 

 

Ressourcen machen den entscheidenden Unterschied

Stress hat nicht nur mit Belastung zu tun, sondern auch mit deinen verfügbaren Ressourcen: Vorbereitung, Erfahrung, Selbstvertrauen, guter Schlaf, Erholung, ein unterstützendes Umfeld oder die Fähigkeit, dich selbst innerlich zu beruhigen.

Deshalb kann dich dasselbe Gespräch an einem guten Tag kaum berühren – und zwei Wochen später (wenig Schlaf, hoher innerer Druck) dich komplett aus der Bahn werfen. Du bist nicht „rückfällig“. Dein System hatte einfach weniger Puffer.

 

 

Die gute Nachricht: Du bist nicht machtlos

Wenn Stress auch durch innere Bewertungen und Selbstgespräche entsteht, dann hast du Einfluss – nicht immer auf die Situation, aber oft auf deinen Umgang damit. Statt „Denk einfach positiv“ lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

 

- Was genau macht diese Situation für mich so brisant?
- Welche Katastrophe befürchte ich eigentlich?
- Welche inneren Sätze laufen mit (z. B. „Ich darf keine Schwäche zeigen“)?
- Was wäre eine realistischere, ruhigere Sichtweise?
- Was würde mir jetzt mehr innere Stabilität geben (z. B. eine kurze Atemübung, eine klare Vorbereitung oder ein freundlicherer Umgang mit mir selbst)?

 

Manchmal hilft eine Veränderung im Außen (klarere Grenzen, bessere Vorbereitung). Manchmal liegt der Hebel in der Regeneration oder in der Art, wie du mit dir selbst sprichst.

 

 

Wichtig: Das ist keine Selbstschuld

Zu verstehen, dass innere Bewertungen eine Rolle spielen, heißt nicht, dass du selbst schuld bist, wenn du gestresst bist. Manche Arbeitsbedingungen sind objektiv hart, manche Lebensphasen extrem fordernd.

Es heißt nur: Das Außen ist nicht die ganze Geschichte. Oft gibt es zusätzlich alte Muster – Perfektionsansprüche, Angst vor Bewertung, der Zwang, immer alles im Griff zu haben. Genau dort liegt ein wichtiger Hebel, um wieder mehr Handlungsspielraum zu bekommen.

Als Coach sehe ich immer wieder: Viele halten sich für „zu empfindlich“, obwohl ihr System einfach gelernt hat, bestimmte Situationen besonders schnell als bedrohlich einzustufen. Stressarbeit ist deshalb nicht nur Entspannungstechnik, sondern vor allem Verstehen der eigenen Stresslogik.

Dein Kollege bleibt ruhig, während du innerlich unter Strom stehst – nicht unbedingt, weil er „stärker“ oder „entspannter“ ist. Sondern weil er die Situation anders bewertet, innerlich anders mit sich spricht und in diesem Moment auf mehr Ressourcen zugreifen kann.

Stress ist nicht nur das, was auf dich einwirkt. Stress ist vor allem das, was innerlich daraus wird. Und genau dort, in deiner inneren Welt, liegt oft der größte Unterschied – und die größte Chance. Nimm dir beim nächsten Mal, wenn du merkst, dass dein System in den Alarmmodus schaltet, nur eine kurze Pause und frag dich: „Was genau mache ich gerade aus dieser Situation?“ Manchmal reicht schon dieser eine bewusste Blick, um aus Daueranspannung wieder Handlungsspielraum zu machen. Was wäre für dich der erste kleine Schritt, um in solchen Momenten etwas ruhiger und klarer zu bleiben?

 

 

 

 

Gut zu wissen: Wir arbeiten als Resilienz und Stressmanagement Coach in Frankfurt, Bad Homburg und für Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Gießen und im gesamten Rhein-Main-Gebiet sowie online deutschlandweit, z. B. für Klient:innen in München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder Köln.

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