"Ich hab’s doch gesagt" – warum Kommunikation trotzdem oft scheitert

Kommunikationstreppe nach Konrad Lorenz - Das Dilemma der Kommunikation
Heute denke ich über einen Satz nach, den man im Alltag, im Business und auch in Beziehungen erstaunlich oft hört: „Ich hab’s doch gesagt.“

Genau dieser Satz wirkt auf den ersten Blick so logisch. Und gleichzeitig steckt in ihm oft schon das ganze Missverständnis. Denn nur weil ich etwas gesagt habe, ist es noch lange nicht beim anderen angekommen.

Ich finde das Kommunikationsdilemma nach Konrad Lorenz deshalb so treffend, weil es etwas beschreibt, das ständig passiert und trotzdem leicht unterschätzt wird: Gedacht ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Verstanden ist nicht einverstanden. Einverstanden ist nicht angewandt. Angewandt ist nicht beibehalten.

Wenn man sich das einmal in Ruhe anschaut, ist es eigentlich fast entlarvend. Denn es zeigt, wie schnell wir so tun, als sei Kommunikation schon erledigt, nur weil wir etwas ausgesprochen haben.
Vielleicht scheitert Kommunikation oft nicht daran, dass zu wenig gesagt wird – sondern daran, dass wir zu schnell glauben, Sagen würde schon reichen.
Vielleicht ist genau das die Stelle, die mich heute beschäftigt: Wir verwechseln oft das, was wir gemeint haben, mit dem, was wirklich angekommen ist. Und das ist schon ein Unterschied.

Ich kann etwas sehr klar gemeint haben und trotzdem missverständlich gewesen sein. Ich kann etwas ausgesprochen haben, ohne dass mein Gegenüber innerlich wirklich dabei war. Ich kann etwas erklärt haben, ohne dass es verstanden wurde. Und selbst wenn es verstanden wurde, heißt das noch lange nicht, dass der andere damit einverstanden ist. Oder es umsetzt. Oder es dauerhaft behält.

Gerade im beruflichen Kontext finde ich das spannend. Da wird oft kommuniziert, als wäre Sagen gleich Klären. Eine Führungskraft sagt etwas einmal und wundert sich, dass es im Alltag nicht auftaucht. In Teams wird über Erwartungen gesprochen und hinterher sind trotzdem alle überrascht, dass jeder etwas anderes daraus mitgenommen hat.

Und ja, das ist manchmal mühsam. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Kommunikation ist viel störanfälliger, als wir es gerne hätten.

Nicht, weil Menschen unfähig sind. Sondern weil zwischen meinem Gedanken und der tatsächlichen Wirkung beim anderen einfach erstaunlich viel passieren kann.

Vielleicht bräuchte Kommunikation deshalb manchmal weniger Selbstgewissheit und mehr Neugier. Weniger „Ich hab’s doch gesagt“ und mehr die ehrliche Frage: Was ist davon eigentlich wirklich angekommen?
Frage für heute
Wo gehst du gerade davon aus, dass etwas klar ist – obwohl es vielleicht nur gesagt, aber noch nicht wirklich gemeinsam geklärt wurde?
Vielleicht beginnt gute Kommunikation nicht dort, wo ich mich besonders deutlich ausdrücke. Sondern dort, wo ich ehrlich bereit bin zu prüfen, ob das, was ich sagen wollte, überhaupt so angekommen ist.
Lass mir gern einen Kommentar da, wenn du diesen Satz „Ich hab’s doch gesagt“ bei dir selbst oder bei anderen auch schon oft erlebt hast.
— Caro

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