Selbstwahrnehmung - eine der sieben Säulen der Resilienz

Bevor wir uns damit beschäftigen, wie Sie den Stress in Ihrem Alltag loswerden oder zumindest minimieren können, möchte ich zunächst auf die Frage eingehen: Was ist Stress und welche Faktoren lösen eine Stress-Reaktion aus?

 

Ist es eher der Zeitdruck oder ein Zeitmangel, sind es schwierige soziale Konflikte, persönliche bzw. familiäre Probleme oder das angespanntes Betriebsklima? Sich gestresst zu fühlen kann ganz individuelle und völlig unterschiedliche Auslöser haben.

 

Doch bei aller Unterschiedlichkeit ist der Stress-Reaktion eines gemeinsam: Wir befinden uns in einer für uns belastenden Situation, aus der wir meinen, keinen Ausweg finden zu können und dieser hilflos ausgeliefert zu sein. Und das ist das Entscheidende: Stress entsteht nicht durch die Situation an sich, nicht durch den Stressor bzw. die Belastung, sondern durch unser subjektives Empfinden, etwas nicht handhaben zu können. 

Das erklärt auch, warum verschiedene Menschen in der gleichen Situation die Belastung so unterschiedlich erleben. Was für den einen wie die schrecklichste Katastrophe erscheint, lässt den anderen fast unberührt. Wie kann das sein? 

Menschen bewerten eine Situation subjektiv ganz unterschiedlich. Der eine kommt zu dem Schluss, dass er einen Ausweg und eine Lösung finden kann und der andere fühlt sich kraft- und hilflos und glaubt, der Situation nichts entgegensetzen zu können. Dies trifft für die kleinen Krisen ebenso zu, wie für die großen, die uns im Laufe unseres Lebens treffen, z.B. beim Verlust eines Arbeitsplatzes, einer schweren Krankheit oder dem Tod eines geliebten Menschen. 

Ein Beispiel: 

 

Es gibt also verschiedene Wege mit einer neuen, zunächst bedrohlichen Situation umzugehen. Wenn wir jedoch zu der Schlussfolgerung kommen, dass wir angemessen reagieren können, dann werden wir uns nicht mehr bedroht, sondern der Situation gewachsen fühlen. "Klingt ja in der Theorie super", werden Sie vielleicht denken, "doch im realen Leben klappt das nicht so einfach! Oder?" Das Schlüsselwort in diesem Zusammenhang heißt: Resilienz! Einfach ausgedrückt, ist Resilienz die Fähigkeit, einer belastenden Situation standzuhalten. Wie der Bambus, der stark und flexibel ist und auch beim größten Sturm nicht bricht, sondern sich mit dem Wind biegt und dann wieder in seine Ausgangsposition zurückfindet. 

 

In dieser Blogbeitrag-Serie werden wir Ihnen sieben Wege vorstellen, wie Sie in Ihrem Leben stressresistenter bzw. resilienter gegenüber Krisen werden können.

 

Starten möchten wir mit dem Thema Selbstwahrnehmung: 

 

Welches Bild haben Sie von sich? Welche Eigenschaften schreiben Sie sich zu? Wissen Sie, wo Sie stehen und wo Sie hinwollen? Über welche Fähigkeiten verfügen Sie und welche Einstellungen und Wertvorstellungen haben Sie? Von Ihrer Selbstwahrnehmung hängt Ihr Selbstvertrauen (Vertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten) ab, welches die Basis für Ihr Selbstwertgefühl (das Gefühl, dass Sie etwas wert sind)  bildet. Und Ihr Selbstwert spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Stressbewältigung aber auch um Burnout-Prävention geht. Dazu fällt mir folgende Geschichte ein: 

 

Ein 9-jähriges Mädchen ging zu seiner Großmutter, setzte sich zu ihr auf die Couch und weinte bitterlich. Die Oma fragte, was denn passiert sei. "Ole war gemein. Er hat gesagt, ich bin nichts wert. Keiner wollte mich in seinem Völkerball-Team haben. Und außerdem findet Ole meine Sommersprossen hässlich." 

 

Die Oma sah ihre Enkelin liebevoll an, trocknete ihre Tränen mit einem Taschentuch und fragte Sie: "Denkst du, dass ich etwas wert bin?" "Aber Oma, natürlich! Du bist meine beste und liebste Oma und ich habe Dich immer lieb!" 

Dann zerzauste sich die Oma ihre Haare und fragte wiederum: "Und jetzt, bin ich jetzt weniger liebenswert für Dich?" Die Enkelin schaute verdutzt und verneinte. Nun zeigte die Oma auf Ihre Falten. "Früher," sagte sie, "da war meine Haut ganz glatt, wie das Gesicht einer Porzellanpuppe. Aber heute, alles verknittert. Was denkst Du, bin ich deswegen weniger wert?" "Nein, natürlich nicht!", versicherte Ihr das Mädchen. Daraufhin erzählte ihr die Oma, dass Sie nicht zum 78. Geburtstag Ihrer Schwester Katharina eingeladen worden war, da sich die beiden letzte Woche zerstritten hatten. Wiederum fragte sie das kleine Mädchen: "Bin ich jetzt - obwohl Katharina böse auf mich ist und mich nicht auf ihrem Geburtstag einladen möchte - noch genauso viel wert, genauso liebenswert wie zuvor?" Die Enkelin umarmte ihre Oma und versicherte ihr, dass sich nichts für sie geändert hätte. "

"Du bist ein kluges Kind. Doch selbst wenn du zu mir gesagt hättest, dass ich jetzt weniger für dich wert wäre, wäre mein Selbstwert dennoch gleichgeblieben! Denn merke Dir: Was auch immer mit dir passiert, wie auch immer dein Körper sich verändert, was auch immer andere zu dir sagen, du bleibst in deinem Inneren die gleiche wertvolle und liebenswerte Person - und du hast das bei mir erkannt. Ein positives Selbstwertgefühl ist etwas sehr Wertvolles. Mach Dir dieses Geschenk selbst und du wirst ein erfülltes und glückliches Leben führen!" 

 

Welche Gedanken sind Ihnen zu dieser Geschichte in den Kopf gekommen? Was hat Ihnen gut gefallen? Was war ermutigend? Was benötigen Sie, damit Sie sich daran erinnern, dass Sie immer den gleichen Wert haben und ein ganz wertvoller Mensch sind, egal was kommt? Was könnten Sie im Alltag verändern, um Ihren Selbstwert aktiv aufzubauen und zu festigen? Wie könnten sie sich selbst ebenso lieben und wertschätzen?

 

Wenn Sie mögen, probieren Sie doch einfach mal die folgende Übung vor dem Schlafengehen aus: 

Stellen Sie sich jemanden vor, den Sie sehr lieben. Es kann auch eine Person aus Ihrer Vergangenheit sein. Nehmen Sie diese Person mit allen Sinnen ganz intensiv wahr. Welche Gefühle und Gedanken bringen Sie dieser Person entgegen? Lassen Sie dann das Bild dieser geliebten Person verschwimmen und lassen Sie stattdessen ein Bild von sich selbst vor Ihrem inneren Auge entstehen. Sehen Sie sich dabei wie im Spiegel, betrachten Sie sich aufmerksam und schenken Sie sich nun selbst liebevolle Gedanken. Betrachten Sie sich voller Wertschätzung und Wärme. Nun wechseln Sie gedanklich in eine Situation, in der sie unzufrieden mit sich selbst waren, sich vielleicht nicht wertgeschätzt oder geliebt fühlten. Jetzt verändern Sie das Bild, vielleicht legen Sie ein wenig "Weichzeichner" darüber oder lassen im Hintergrund angenehme Musik einspielen. Und jetzt geben Sie sich wieder die Wertschätzung und Aufmerksamkeit, die Sie verdienen. Versuchen Sie es, auch wenn es Ihnen vielleicht nicht leicht fällt. Das ist völlig normal. Je häufiger Sie üben, desto leichter wird es Ihnen fallen und so können Sie nach und nach eine freundliche(re) Haltung zu sich selbst einwickeln.  

 

Wir hoffen, Sie konnten bereits eine Erkenntnis aus diesem Beitrag ziehen? Wenn ja, dann schreiben Sie sich diese unbedingt auf, damit Sie diese Erkenntnis nicht aus den Augen verlieren! 

 

 

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